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Austrocknung am Kupfermarkt – 60-Cent-Aktie Ziel der Bergbaukonzerne!

Kupfer: Bergbaukonzerne suchen händeringend nach Übernahmezielen

Der Kupferpreis befindet sich derzeit auf Talfahrt. Dennoch suchen die großen Bergbauproduzenten nach geeigneten Übernahmezielen, denn die Kassen sind gut gefüllt und das Kupferangebot droht auszudünnen.

Der Kupfermarkt bewegt sich auf ein Millionendefizit zu

Wir hatten Sie schon mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass Kupferprojekte und -minen derzeit mehr als gefragt sind. Die Marktbeobachter gehen davon aus, dass das Angebot am Weltmarkt in den kommenden Jahren kontinuierlich sinkt. Bis 2035 werden rund 200 Minen schließen, schätzen Analysten (mehr hier). Der Grund: Sie haben nicht mehr genug abbaubares Metall im Boden. Der Effekt wird sich bereits in den nächsten Jahren niederschlagen. Zusätzlich steigt die Nachfrage durch das allgemeine Weltwirtschaftswachstum sowie dem Aufschwung der Elektroautoindustrie. Denn dort wird pro Fahrzeug etwa doppelt so viel Kupfer benötigt wie bei einem Wagen mit Verbrennungsmotor. Globale Champions wie Tesla oder die chinesische BYD treiben diesen Prozess massiv voran. Hinzu kommt, dass die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden muss. Manche meinen gar, dass dieser Effekt deutlich stärker ist als der durch die Fahrzeuge selbst. Wir hatten diesen Faktor an dieser Stelle bereits thematisiert. Je nach Schätzung geht man davon aus, dass durch diese gleichgerichteten Effekte das Defizit am Weltmarkt bis 2025 bei etwa 5 bis 6 Mio. Tonnen liegen könnte.

Gut gefüllte Kassen bei den Bergbauriesen

Gleichzeitig sitzt das Geld bei den großen Bergbaukonzernen wieder locker. In den Krisenjahren 2015 bis 2017 haben viele ihre Hausaufgaben erledigt, die Kosten reduziert und nun wird wieder Geld verdient. Doch deren Aktionäre wollen Wachstum sehen. Da dies organisch aufgrund der fehlenden Investitionen in den vergangenen Jahren kaum möglich ist, befinden sich die milliardenschweren Konzerne auf Brautschau. Den Anfang machte im Frühjahr allerdings der wohl Kleinste unter den großen Kupferproduzenten: die schwedisch-kanadische Lundin Mining gab ein feindliches Übernahmeangebot für Nevsun Resources ab. Im Fokus stand dabei vor allem deren Kupferprojekt in Serbien. Vor wenigen Tagen hat das Nevsun-Management sogar eine leicht verbesserte Offerte Lundins abgelehnt. Am Markt wird also mächtig gepokert. Solch feindliche Attacken sind nicht beliebt in der Branche und kommen äußerst selten vor. Dennoch könnten Sie in den nächsten Jahren zum Normalfall werden.

M&A-Aktivitäten auf Mehrjahrestief

Denn die M&A-Aktivitäten in der Branche sind auf einen Tiefstand gesunken (siehe Graphik oben). Der Grund ist, dass kaum einer seine Assets verkaufen will. Dazu sind die Bewertungen der Unternehmen derzeit zu niedrig. In einem normalen Aktienzyklus sind Übernahmen meist nahe der Hochpunkte eine gängige Wachstumsoption. Doch wer will schon nahe der Tiefstkurse sein Unternehmen verkaufen? Denn genau da befinden sich viele Kupferaktien. Und jeder weiß, dass die großen Konzerne gut gefüllte Kassen haben und gerne zuschlagen würden. Analyst Richard Knights von Liberium Capital Markets fasste die Lage in einem Interview so zusammen: „Keine Firma mit einer vernünftigen Bilanz wird zu diesem Zeitpunkt Kupfer-Assets verkaufen!“ Auf der anderen Seite will niemand zu viel Geld auf den Tisch legen. Damit hatte man sich schließlich in der letzten Branchenkrise die Bilanzen kaputt gemacht und Investoren verschreckt.

Rio Tinto und BHP Billiton auf Brautschau

Als willigste Übernehmer in der Branche gelten Rio Tinto und BHP Billiton. Diese diversifizierten Konzerne haben in den vergangenen Jahren bereits Stimmung für Kupfer gemacht und sind äußerst bullish. Gemeinsam betreiben sie zudem die Escondida-Mine in Chile, eines der größten Kupferbergwerke der Welt. Rio Tintos CEO Jean-Sebastien Jacques sagte vor wenigen Tagen bei Bloomberg TV, dass man sich den Markt hinsichtlich einer Übernahme „genau anschaue“. Sein Konzern ist laut Analysten in der finanziell stärksten Position. Man verdient ordentlich Geld, zudem hat man in der vergangenen Woche dem Verkauf des Anteils an der Grasberg-Mine für 3,5 Mrd. US-Dollar an den indonesischen Staat zugestimmt. Zudem stehen Verkäufe in den Sparten Kohle und Aluminium bevor. Man hat also mehr als genug Cash, um Übernahmen durchzuführen.

BHP will Kupfer-Business ausbauen

Auch bei BHP Billiton ist die Cashsituation mehr als gut. Und auch hier will das Management das Kupfer-Geschäft ausbauen. Allerdings drängt sich die Frage noch stärker als bei Rio auf, denn aktivistische Investoren üben mächtig Druck auf den Vorstand aus. Von den vier großen, diversifizierten Bergbaukonzernen ist Glencore in Sachen Übernahmen der aktivste und aggressivste Akteur. Derzeit aber hält man sich zurück, denn die Schweizer haben mal wieder Ärger mit der US-Justiz. Dementsprechend fließ das Geld in den Rückkauf eigener Aktien im Volumen von 1 Mrd. US-Dollar. Eine Aufstockung dieses Programms wäre keine Überraschung. Sollte man sich aber kurzfristig den Ärger mit der US-Justiz vom Hals schaffen können, ist Glencore wieder ein potenzieller Aufkäufer. Anglo American als Vierter im Bunde hat gerade ein 6 Mrd. Dollar schweres Investitionsprogramm in Peru angekündigt, dass man zusammen mit der japanischen Mitsubishi Corporation finanzieren will. Eine größere Übernahme scheint daher unwahrscheinlich.

Ein möglicher Übernahmekandidat

An potenziellen Zielobjekten fehlt es derzeit. Doch der eine oder andere Name drängt sich schon auf. So besitzt Nevada Copper (0,60 CAD; 0,36 Euro; CA64128F1099) mit Pumpkin Hollow die einzige genehmigte und fast voll finanzierte Kupfermine Nordamerikas. „Fast“ finanziert deshalb, weil das Unternehmen derzeit eine Kapitalerhöhung durchführt. Das Interesse an dieser ist so groß, dass man die Maßnahme von 80 Mio. auf 108 Mio. CAD aufstocken konnte. Wer weiß, ob sich nicht der eine oder andere Großkonzern jetzt schon hier positioniert. Das werden wir im besten Fall nach Abschluss des Aktienverkaufs erfahren. Fakt ist. dass Pumpkin Hollow die Kriterien der Konzerne erfüllt. Man will die Untertagemine bereits im dritten Quartal 2019 in Produktion bringen, ein Open Pit auf der gleichen Liegenschaft soll zwei bis drei Jahre später folgen und kann aus dem Cashflow der ersten Mine finanziert werden. Und auch von der Größe her dürfte Pumpkin Hollow mit einem aktuellen Minenleben von 23 Jahren und Reserven in Höhe von aktuell 5 Mrd. Pfund an Kupfer ins Beuteschema passen. Dazu kommt, dass die Chance auf Wachstum besteht. Einerseits wird mittels eines Explorationsprogramms derzeit die Ressource erweitert. Zum anderen befinden sich etliche weitere Kupferprojekte in der Umgebung. Mit Nevada Copper könnte man das Mason Valley also zu so etwas wie einem Kupferdistrikt ausbauen (siehe Karte unten). Das erscheint auf den ersten Blick irrelevant. In den Augen eines langfristiger Konzernstrategen macht es Pumpkin Hollow aber noch attraktiver, denn bestehende Infrastruktur kann länger genutzt werden.

Großaktionär kann, muss aber nicht verkaufen

Nevada Copper hat aber noch einen weiteren, sehr wichtigen Vorteil: die Bereitschaft zum Verkauf dürfte hier vergleichsweise hoch sein. Denn aktuell hält Pala Investments mit 53 Prozent die Mehrheit. Die Schweizer sind aber kein klassischer Rohstoffkonzern, sondern ein Private Equity-Haus. Investments in den Bergbau machen etwa die Hälfte des Pala-Geschäfts aus. Unter anderem war man auch Mitinitiator bei der inzwischen milliardenschweren Cobalt 27 Capital, mit der man weit früher als andere auf den boomenden Kobalt-Markt gesetzt hat. Nun sieht Pala die Chancen bei Kupfer, sonst hätte man sich die Arbeit mit Nevada Copper nicht aufgeladen. Denn das Unternehmen war 2016 quasi pleite, weil sich das vorherige Management verhoben hatte. Nach der erfolgreichen Restrukturierung durch Pala-Manager und der Aussicht auf den Produktionsstart im kommenden Jahr aber ist man in einer komfortablen Situation. Man muss nicht verkaufen, könnte aber, wenn denn der Preis stimmt! Für Privatanleger gibt es dadurch einen großen Vorteil: ein finanzstarkes Private Equity-Haus würde sich bei einem Verkauf des Unternehmens nicht so leicht über den Tisch ziehen lassen.

 

Bildquelle: Nevada Copper
Graphik: Bloomberg

 

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