Warum die EZB zu noch radikaleren Methoden greifen wird!

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise in 2008/2009 senkten Notenbanken weltweit die Zinsen auf null oder in den negativen Bereich. Gleichzeitig pumpten die Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan Billionen zusätzlicher Währungseinheiten ins Finanzsystem. Inzwischen notieren weltweit Staatsanleihen im Rekordwert von mehr als 10 Billionen Dollar zu negativen Renditen. Einem schwachen Wirtschaftswachstum mit rückläufigen Unternehmensgewinnen stehen überall auf der Welt gefährliche Blasenbildungen gegenüber. In China eine gigantische Immobilienblase, in den USA eine rekordhohe Verschuldung von Staat, Unternehmen und Verbrauchern, und Europa mit Zerfallserscheinungen und einem maroden Finanzsektor, der am Tropf der EZB hängt.

Woche für Woche lese ich Berichte, die den baldigen Untergang des globalen Finanzsystems prophezeien. Allerdings kursieren diese Crash-Prophezeiungen schon seit mehreren Jahren in regelmäßigen Abständen. Bereits in 2012, zum Höhepunkt der Griechenlandkrise, als der Dax auf 5.000 Punkte abstürzte, schrieb ich meinen Lesern, dass die Europäische Zentralbank das System (=ihr System) mit allen Mittel und „bis zur letzten Patrone“ verteidigen wird. Dabei wird es auch bleiben – notfalls auch mit noch radikaleren und rücksichtsloseren Methoden. Die alles entscheidende Frage ist, wie lange es dauern wird, ehe die EZB und andere Zentralbanken die Kontrolle verlieren und das Chaos an den Märkten ausbricht.

Die Bilanz der Europäischen Zentralbank erreichte am 13. Mai die Summe von 3,03 Billionen Euro und Bis März könnte sie laut einer Analyse von Nomura in die Nähe von 4 Billionen Euro steigen. Im April dieses Jahres wurde das Anleiheaufkaufprogramm um ein Drittel auf 80 Milliarden Euro pro Monat ausgeweitet. Derzeit ist geplant, dass QE bis Ende März 2017 läuft, doch mit hoher Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass das Programm auf unbestimmte Zeit verlängert wird. Mit dem Ankauf von Staatsanleihen maroder Staaten wie Griechenland, Italien, Spanien und Portugal, geht die EZB hohe Risiken ein. Seit letztem Monat finanziert die EZB über ihre Druckerpresse de facto auch erstmals große europäische Unternehmen.

Zentralbanken können nicht bankrottgehen!

Im Grunde ist es nur eine Frage der Zeit, ehe die Risiken, die die EZB mit ihrem gigantischen Aufkaufprogramm eingeht, zu horrenden Verlusten führen werden. Doch es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass Notenbanken pleitegehen könnten. Warum? Ganz einfach:  Ihnen kann nicht das ausgehen, was sie selbst in beliebigem Umfang kreieren. Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, veröffentlichte die EZB an einem April-Morgen ein wissenschaftliches Arbeitspapier mit dem Titel „Gewinnverteilung und Verlustabdeckungs-Regeln für Zentralbanken“. Das Papier umreißt völlig trocken, wie Zentralbanken Gewinne und Verluste verbuchen und wie diese unter den Anteilseignern der Zentralbanken, üblicherweise den Staaten, in dem sie ihren Sitz haben, verteilt werden. Wie die EZB darin erklärt, ist es für eine Zentralbank nicht erforderlich, Gewinne zu erzielen. Während man darauf hinweist, dass Profite für die Glaubwürdigkeit einer Zentralbank hilfreich sein könnten, stellt das Papier eindeutig klar, dass Verluste durch eine Zentralbank weder eine Re-Kapitalisierung erforderlich machen, noch zu einer Insolvenz der Zentralbank führen.

Die entscheidende Fußnote findet sich auf Seite 10 des Papiers:

„Zentralbanken sind aufgrund ihrer Fähigkeit Geld zu erzeugen, vor der Insolvenz geschützt und können demzufolge mit negativem Eigenkapital operieren“.

Wer also immerzu vor den Verlustrisiken der Zentralbanken warnt, sollte wissen, dass diesen niemals das ausgehen kann, was sie selbst erschaffen. Ohne die Gefahr, Bankrott zu gehen, werden die Notenbanker künftigen Rezessionen mit noch radikaleren und rücksichtsloseren Methoden entgegnen. Niemand weiß, wie lange die unter der Oberfläche gehaltenen Krisenherde noch unterdrückt werden können. Möglicherweise länger, als viele von uns ahnen.

Viele Grüße

Ihr Uli Pfauntsch

 

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