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U.S. Shale Oil: „Selbstmord-Mission zur Zerstörung der Welt“!

Ein Analyst sprach nun mit deutlichen Worten aus, was wir bereits seit einigen Jahren über die U.S. Shale Produktion denken. „Es grenzt an Wahnsinn! Shale wird die Ölindustrie zerstören“, sagt FGE Chairman Fereidun Fesharaki, der glaubt, dass die US Shale Produzenten vielleicht auf einer Art „Selbstmord-Mission“ sind, um die Welt zu zerstören.

Über die vergangenen Monate wurde ziemlich klar, dass die U.S. Betreiber die Saat für ihren eigenen Niedergang säten, indem sie den Preis für den Rohstoff, den sie selbst produzieren, nach unten fuhren. Fesaraki ist besorgt, dass die Shale Produzenten damit enden, die gesamte Industrie mit in den Abgrund zu reißen. Denn während die OPEC-Staaten wie Saudi Arabien die niedrigen Ölpreise über die Beschaffung von Krediten voraussichtlich aussitzen können, pumpen sich die in den USA ansässigen Produzenten langsam aber sicher ins eigene Grab.

Fesharaki schreibt in seinem Kommentar, dass der Ausgleich des Marktes unter diesen Umständen „Mission Impossible“ sei und kommt zum Schluss, dass die „Produktion ohne Verstand nach oben geht und niemand die Konsequenzen in Betracht zieht“.

Weitere Highlights seines Kommentars:

  • Die Opec scheiterte daran, die Ölpreise in der Spanne zwischen 50,00 und 60,00 Dollar zu stabilisieren, aufgrund des Anstiegs im U.S. Shale Ausstoß von etwa 800.000 bopd von Dezember 2016 bis Dezember 2017.
  • Sollten die Preise am oberen Ende der Spanne bleiben, könnte sich die Produktion bis Ende 2018 um 1,00 bis 1,2 Millionen Barrel erhöhen.
  • Da viele Shale Produzenten über das Jahresende gehedged sind, dürfte der Ausstoß im Jahresvergleich steigen, selbst dann, wenn die Preise zurückgehen. Die Lagerbestände dürften weiter zunehmen, sollte Öl in der Spanne zwischen 45-50 Dollar bleiben.
  • Es ist offensichtlich, dass der Abwärtsdruck, den die Tight Oil Produzenten erzeugen, nicht stoppen wird, ehe diese ernsthaft durch ihre eigenen Aktivitäten in einer Welt niedrigerer Preise von 30-35 Dollar je Barrel gelähmt werden.
  • Echte Probleme voraussichtlich in 2018, einem Jahr, das mit einem großen Produktions-Level startet, von dem nur 10-15% gehedged sind.
  • Die Junk-Bond-Spreads weiten sich bereits aus, was ein Zeichen dafür ist, dass das Geld beginnt, auszutrocknen. Innerhalb eines Jahres wird eine massive Restrukturierung mit vielen Bankrotten folgen.
  • Die Opec kann ihrerseits die Preise sinken lassen; jetzt könnte die sinnvollste Zeit sein, die U.S. Tight Oil Produzenten sich „selbst zerstören“ zu lassen.
  • Falls die Saudis die Produktion bei 10m b/d beibehalten, werden die Preis auf 30-35 Dollar je Barrel zurückgehen.
  • „Lasst die Preise sinken und rettet nicht den Markt nicht bis frühestens 2019. Verschiebt das Aramco IPO und schluckt die bittere Pille“.
  • Dennoch, sollte die Opec diesem Weg folgen, wären die Folgen für ihre Ökonomien „vernichtend“ und die Schmerzen „schwer zu tolerieren“.
  • Die kurzfristige Lösung wird sein, den Ausstoß erheblich um etwa 700.000 b/d zu kappen, hauptsächlich von Saudi Arabien, um die Preise über 50 Dollar zu pushen.
  • Dies wird das Unvermeidliche nur auf später in 2018 verschieben.

Wie die Fed die Selbstzerstörung beschleunigen könnte!

Abgesehen von den Produzenten selbst, wer ist einem anhaltenden Niedergang in den Ölpreisen sonst noch ausgesetzt? Natürlich die Banken. Diese hatten die deflationäre Dynamik verewigt, indem sie die Kapitalmärkte offenhielten und den Zombie-Produzenten erlaubten, weiter zu produzieren. Laut Citigroup haben sich Rohstoffunternehmen rund um die Welt etwa 1,4 Billionen Dollar in Krediten von rund 1.000 Banken geliehen. Davon gelten etwa 210 Milliarden Dollar als notleidend. Der größte Anteil dieser 210 Milliarden Dollar liegt bei den U.S. Banken JPMorgan, Wells Fargo, Bank of America und auch der Deutschen Bank, Barclays und Credit Suisse.

Neben dem Ölpreis selbst, könnte die Selbstzerstörung des Shale-Sektors durch steigende Finanzierungskosten beschleunigt werden. Die Columbia University hat errechnet, dass ein Anstieg von 2 Prozent in der London Interbank Offer Rate (LIBOR) die Zinskosten von Unternehmen mit Kredit-Ratings zwischen B und CCC- um 30 Prozent explodieren lassen würde.

DEPT WALL: Tag der Abrechnung wird kommen!

Das weitaus schlimmere Problem, wartet gleich um die Ecke. Die so genannte „Dept Wall“ ist der ständig steigende Anteil von Schulden, den die U.S. Öl- und Gasindustrie von Jahr zu Jahr zurückzahlen muss.

Laut Daten von Bloomberg steigt der Anteil der zur Rückzahlung fälligen Bonds (unterhalb Investment-Grade) von 30 Milliarden Dollar in 2016 auf circa 70 Milliarden Dollar in 2017. Doch das ist erst der Anfang. In 2018 wird der Anteil der ausstehenden Bonds auf 110 Milliarden Dollar springen, in 2019 auf 155 Milliarden Dollar und in 2020 auf 230 Milliarden Dollar explodieren.

Das sind extrem schlechte Nachrichten für eine Industrie, die kaum Profite oder Free Cashflow generiert. Die Rechnung ist einfach: Derzeit beläuft sich die Shale Produktion auf circa 5 Millionen Barrel Öl pro Tag. Das entspricht bei 365 Tagen und 50 Dollar pro Barrel (die tatsächlichen Wellhead-Preise sind rund 10 Dollar niedriger) Einnahmen von 91 Milliarden Dollar. Bei einer angenommenen Marge von 10 Dollar je Barrel würde sich der Profit auf rund 18 Milliarden Dollar belaufen.

Abgesehen davon, dass 10 Dollar Nettomarge pro Barrel eher unrealistisch sind, wäre der Profit von 18 Milliarden Dollar bei Weitem nicht genug. Denn allein in 2018 werden 110 Milliarden Dollar in Schulden zur Rückzahlung fällig. Wenn die U.S. Öl- und Gasunternehmen also ihren gesamten Free Cashflow zum Schuldendienst verwenden würden, hätten sie also noch immer 92 Milliarden Dollar zu wenig. Tatsächlich sind die meisten Shale-Produzenten gezwungen, ihren gesamten Cash-Flow in die Bohrung neuer Wells zu investieren, um die Produktion zu steigern beziehungsweise um den natürlichen Rückgang der Produktion von jährlich 40% bis 60% auszugleichen.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder die alten Schulden werden durch neue Schulden abgelöst, um den unvermeidlichen Tag der Abrechnung weiter hinauszuzögern, oder wir sehen einen massiven Anstieg von Bankrotten und Zahlungsausfällen. Ersteres ist sehr unwahrscheinlich. Denn zuletzt zeigte sich, dass die Kreditmärkte nun endlich von der Ölpreis-Schwäche erfasst wurden, indem die Ausgabe von Hochzins-Schuldpapieren auf den niedrigsten Stand seit Februar 2016 einbrach.

Derzeit erleben wir, dass die U.S. Ölproduktion von ihrem Tief bei circa 8,5 Millionen b/d auf aktuell 9,4 Millionen b/d ansteigen konnte. In 2018 erwartet die EIA einen weiteren Anstieg auf knapp 10 Millionen b/d. Der Großteil der Aktivitäten konzentriert sich auf die wenigen verbliebenen produktiven Gebiete im Permian Basin. Doch es gilt zu bedenken, dass die USA mit weniger als 3 Prozent der globalen Öl-Reserven ein Leichtgewicht im globalen Energiesektor sind. Alles, was die schuldenfinanzierte Ölproduktion verursachte, ist, dass man seine verbliebenen Reserven nur noch schneller ausbeutet. Das alles trägt nicht dazu bei, den düsteren Ausblick der U.S. Öl- und Gasproduktion zu verbessern. Ganz im Gegenteil: In Zukunft wird es noch sehr viel schwieriger und weniger profitabel, Öl und Gas in den USA zu produzieren. Spätestens in 2020 wird die U.S. Shale-Story voraussichtlich zu Ende sein und die Ölproduktion ihren Höhepunkt überschritten haben. Ebenfalls zwischen 2019 und 2020 wird der Peak der russischen Ölproduktion erwartet. Der dritte große Ölproduzent, Saudi Arabien, bleibt ein Mysterium. Sollte sich aber an den Ölpreisen über die kommenden drei Jahre nichts ändern, dürfte sich zeigen, weshalb die Saudis bei Trump riesige Mengen Waffen und Kriegsmaterial eingekauft haben: Entweder, um sich gegen die eigene Bevölkerung zu wehren, oder etwa um Nachbarstaaten wie dem Jemen seine Ressourcen zu rauben. Unglücklicherweise wird sich der saudische Öl-Ausstoß damit nicht erhöhen, unabhängig davon, wie die Waffen letztlich zum Einsatz kommen werden.

Nachdem die neu entdeckten Ölvorkommen weltweit auf den niedrigen Stand aller Zeiten gesunken sind und sich die beispiellosen Kürzungen der globalen Ölindustrie (mehr als 1 Billion Dollar) spätestens ab 2020 in einem immer größer werdenden Angebotsdefizit rächen werden, ist vermutlich zwischen jetzt und in den kommenden 3 Jahren ein massiver Ölpreisanstieg zu erwarten.  

 

Viele Grüße

Ihr Uli Pfauntsch

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Über den Autor

Chefredakteur CompanyMaker, Spezialgebiet Gold, Silber, Minenwerte, Öl & Gas, Wachstum.

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