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Brexit, Gold, Euro, Italien, Stagflation: Was Sie jetzt wissen müssen!

Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Hedgefonds, Publikumsfonds, Pensionsfonds und andere Marktakteure, die sich offensichtlich an den Indikationen der britischen Buchmacher orientiert hatten, begannen in den letzten Tagen, ihre zuvor eingegangenen Absicherungspositionen im großen Stil aufzulösen. Heute Morgen dann die böse Überraschung, die die Mehrheit der Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischte. Der Brexit ist Realität!

Was wir zur Eröffnung gesehen haben, waren reihenweise Zwangsliquidationen aufgrund von Margin-Calls und Stopp-Loss-Orders, kombiniert mit Panikreaktionen der Marktteilnehmer.

  • Der Dax-Future notierte am Morgen mit 9.152 Punkten im Tief rund 11 Prozent im Minus und erholt sich aktuell auf 9.655 Punkte.
  • Das Britische Pfund verliert zum US-Dollar mehr als 8 Prozent und notiert mit 1,37 auf dem tiefsten Stand seit 30 Jahren.
  • Gold wird seiner Funktion als sicherer Hafen gerecht und verteuert sich um 5,5 Prozent auf aktuell 1.326 Dollar. Silber legt aktuell um 3,4 Prozent auf 17,91 Dollar zu.
  • US-Öl WTI notiert derzeit knapp 5 Prozent schwächer bei 47,64 Dollar.
  • Der Euro ging zum US-Dollar am Morgen schlagartig in die Knie und notierte zeitweise nur noch knapp über der Marke von 1,09 und notiert aktuell bei 1,105 rund 3,2 Prozent schwächer.

Haben politische Börsen wirklich kurze Beine?  

Der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union ist nichts, was sich von heute auf morgen vollzieht, sondern für die Abwicklung schätzungsweise einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren benötigt. Die Briten verfügen über eine eigene Währung und eine eigene Notenbank und werden zukünftig einen ähnlichen Status wie die Schweiz einnehmen. Ich gehe davon aus, dass die Märkte den „Brexit-Schock“ spätestens nach ein bis zwei Wochen verdaut haben werden und anschließend zur Tagesordnung übergehen, ganz nach dem Motto, „Politische Börsen haben kurze Beine“. Doch die kurzfristige Einschätzung der Lage sollte nicht darüber hinwegtäuschen, wie fatal die langfristigen Auswirkungen der gescheiterten EU-Politik noch werden könnten, insbesondere für uns Deutsche.

Bankrotte Euro-Staaten – höchste Gefahr für Deutschland!

Bankrotte Euro-Zonen-Staaten (PIGS) können bekanntlich nur deshalb überleben, weil die Europäische Zentralbank Monat für Monat 80 Milliarden Euro aus heißer Luft kreiert und die Zinsen der Staatsanleihen künstlich in den negativen Bereich drückt. Was aber, wenn Mario Draghi in absehbarer Zeit nicht die bankrotten Euro-Staaten „retten“ muss, sondern den Euro selbst? Beides gleichzeitig wird nicht möglich sein. Um Stagflation (Stagnation + steigende Preise) bei einem anhaltenden Euro-Verfall abzuwehren, wäre Draghi gezwungen, die Zinsen zu erhöhen. Dummerweise sind die größten und wichtigsten europäischen Banken, insbesondere die der PIGS-Staaten (Portugal, Italien, Griechenland, Spanien) so stark unterkapitalisiert, dass sie höhere Zinsen ohne Rettung durch den Staat wohl kaum überleben würden.

Die konkreten Folgen eines Austritts am Beispiel von Italien

Offiziell beläuft sich die Staatsverschuldung Italiens auf 130 Prozent. Nachdem der öffentliche Sektor für 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steht, beläuft sich die Staatsverschuldung auf 260 Prozent des italienischen Steuereinkommens. Wie üblich, dürften diese offiziellen Zahlen die tatsächliche Situation noch kaschieren.

Wenn die Eurozone das größte Risiko für das globale Finanzsystem darstellt, dann ist Italien das Epizentrum. Das Ausmaß der notleidenden Kredite italienischer Banken wird auf circa 400 Milliarden Euro oder mehr als 20 Prozent aller ausstehenden Forderungen geschätzt. Lässt man den öffentlichen Sektor außen vor, dann entsprechen diese notleidenden Kredite etwa 40 Prozent des privaten Anteils am Bruttoinlandsprodukt.

Stellen Sie sich vor, dass die Rendite für 10-jährige italienische Staatsanleihen, die aufgrund der EZB-Manipulation bei absurd niedrigen 1,5 Prozent notiert, die tatsächliche finanzielle Situation Italiens reflektiert und sich in einer Bandbreite von 7 bis 10 Prozent bewegt.

Dieser Vorgang würde in einer Abschreibung dieser Staatsanleihen zwischen 40% und 50% resultieren. Der Effekt auf die Bilanzen der europäischen Banken wäre desaströs. Regierungen der PIGS Staaten, Finanzinstitute und der private Unternehmenssektor würden umgehend an die Wand fahren. Ein derartiger Schuldenschnitt hätte auch für die mehr als zwei Billionen Euro deutscher Sparvermögen katastrophale Auswirkungen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wäre vermutlich auch das Ende des Euro besiegelt.

Doch so weit wird es Draghi voraussichtlich nicht kommen lassen. Wie Sie im jüngsten CompanyMaker-Update erfahren haben, kann die Europäische Zentralbank auch im negativen Eigenkapital operieren. Ihr kann nicht das ausgehen, was sie selbst in der Lage ist, unbegrenzt zu erzeugen. Die EZB wird deshalb weiterhin im großen Stil notleidende Anleihen aufkaufen, um Banken und bankrotte Mitgliedsstaaten am Tropf zu halten. Das eigentliche Opfer dieser rücksichtslosen Geldpolitik ist der Euro selbst. Denn angesichts der rekordhohen Verschuldung der Mitgliedsstaaten wird die EZB nie in der Lage sein, die Leitzinsen ausreichend anzuheben, um Inflation zu bekämpfen. Ganz im Gegenteil: Selbst Zinsen im niedrigen positiven Bereich von 1 bis 2 Prozent könnten bereits ausreichen, um das Finanzsystem der Eurozone zum Einsturz zu bringen.

Das wahrscheinlichste Szenario ist Stagflation. Diese ist gekennzeichnet von steigenden Preisen für Güter und Lebensmittel, fallenden Asset-Preisen und künstlich manipulierten Zinsen, die die Kaufkraft der Gemeinschaftswährung weiter untergraben.

Gold – nie war es so bedeutsam als heute!

Anders als digitales Zentralbank-Geld auf einem Bankkonto, kann Gold nicht einfach konfisziert, eingefroren oder entwertet werden. Gold kennt kein Gläubiger/Schuldner-Verhältnis. Das Ausfallrisiko liegt bei null. Seit mehr als 5.000 Jahren ist Gold bewährtes Wertaufbewahrungsmittel und hat seitdem alle Krisen dieser Welt unbeschadet überstanden. Es ist die stabilste Währung aller Zeiten. Anders als bei Papiergeld, können Regierungen und Notenbanken den Wert des Goldes nicht gezielt zerstören.

Zur Handelseröffnung warten Gold- und Silberwerte mit Zugewinnen von teilweise im zweistelligen Prozentbereich auf. Sicherlich ein positiver Tag für unser CompanyMaker-Depot – gleichzeitig ist es ein Tag voller Sorge und Zweifel, wie es mit es mit Europa in Zukunft weitergeht.  Ich hoffe, dass die politischen Entscheidungsträger aus diesem historischen Ereignis nun rasch die richtigen Lehren ziehen und das eingangs beschriebene Szenario weniger schlimm verläuft als befürchtet. Nichtsdestotrotz zeigt sich, dass Edelmetalle in dieser Phase alternativlos sind – und es auch bleiben werden.

Viele Grüße

Ihr Uli Pfauntsch

 

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Viele Grüße

Ihr Uli Pfauntsch

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Über den Autor

Chefredakteur CompanyMaker, Spezialgebiet Gold, Silber, Minenwerte, Öl & Gas, Wachstum.

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